Mein ENBY-Geburtstag – 20. März 2025

Ein Tag der Selbstbestimmung
Am 20. März 2025 beginnt für mich ein neues Kapitel. An diesem Tag werden meine Vornamen offiziell und amtlich zu Ike Aaren geändert – nichtbinäre Vornamen, die mich wahrhaftig repräsentieren. Gleichzeitig wird mein bisheriger Geschlechtseintrag gelöscht. Es ist mein persönlicher Tag der Selbstbestimmung, mein ENBY-Geburtstag.
Mein Weg zu mir selbst
Die Reise dorthin begann nicht über Nacht. Seit Sommer 2022 beschäftige ich mich intensiv mit meiner Identität – wer ich wirklich bin, jenseits gesellschaftlicher Erwartungen und binärer Kategorien.
Ein Schlüsselmoment war der Kontakt zu einem jungen Transmenschen, dey amab ist (assigned male at birth) und sich mental feminin, körperlich aber nur zum Teil verändert, angeglichen hat. In Gesprächen mit dey wurde mir klar, wie viel von mir schon lange unter der Oberfläche lag – Fragen, Zweifel, Ahnungen.
Ich habe mich mein Leben lang gefragt, warum ich mich nicht vollständig in einer klassischen männlichen Rolle wiederfinde. Ich bin bi, trage viele feminine Charakterzüge in mir, und habe schon immer gespürt: Da ist mehr in mir als das, was man(n) sein soll.
Neurodivergenz und Körpergefühl
Ich bin neurodivergent – das heißt, mein Gehirn arbeitet anders, empfindet anders. Und in meinem Fall auch: denkt nicht-binär. Ich erlebe mein Geschlecht nicht als festgelegten Fixpunkt auf einer Linie, sondern als Geschlechtsidentität, ein bewegliches Feld zwischen den binären Polen. Dieses Erleben wurde noch klarer, als ich begann, meine Vergangenheit aufzuarbeiten.
Ein weiterer Wendepunkt war meine überstandene Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung in 2013. Die Chemotherapie hat nicht nur mein Leben gerettet, sondern auch mein Hormonsystem dauerhaft verändert. Mein Testosteronspiegel ist chronisch reduziert – und das spiegelt sich in meinem Körper und meinem Empfinden wider. Erst irritierend. Dann klärend. Schließlich befreiend.
Die allermeisten Transmenschen empfinden ihr körperliches Geschlecht als falsch, fangen an Hormone zu nehmen oder Blocker zu nehmen und am Ende kann dann die chirurgische Angleichung an das gewünschte binäre Geschlecht stehen. Einige entschließen sich auch die angleichende OPs nicht zu machen und bleiben irgendwo auf dem Weg der Transition, wo sie sich wohlfühlen.
Ich dagegen wurde hormonell durch die Chemotherapie so stark dauerhaft beeinflusst, dass zusammen mit meiner Neurodivergenz diese Transition damit gestartet wurde, ich aber nicht den Wunsch verspüre binär weiblich zu werden, körperlich angeglichen zu werden wie eine Frau zu sein. Somit bin ich enby, also nichtbinär oder nonbinary.
Was dieser Schritt für mich bedeutet
Mit der Änderung meines Namens und der Löschung des Geschlechtseintrags erkenne ich mich selbst endlich an – so, wie ich wirklich bin – und das nun gesetzlich unterstützt und vereinfacht auch amtlich. Nicht im Widerspruch zu meinem Körper, sondern im Einklang mit meinem Innersten. Es ist keine Flucht vor der Männlichkeit, sondern das bewusste Verlassen eines Rahmens, der mir nie wirklich gepasst hat.
Ich nenne es meinen ENBY-Geburtstag – und ich feiere ihn mit Stolz.
Für andere, die sich selbst suchen
Ich erzähle diese Geschichte nicht nur für mich, sondern für alle, die sich fragen: Bin ich wirklich das, was man mir sagt zu sein? Bin ich falsch, weil ich anders fühle?
Wenn du dich manchmal zwischen den Welten fühlst – weder ganz Mann noch ganz Frau, oder fließend wechselnd oder einfach du selbst – dann bist du nicht allein.
Es ist okay, Fragen zu haben. Es ist okay, Zeit zu brauchen. Es ist okay, sich zu verändern. Und es ist okay, sich eines Tages klar zu werden und es laut auszusprechen:
„Ich bin nicht-binär. Ich bin ich und das ist gut so!“
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